Was macht eigentlich ... so ein Quartiersrat?
Als Bürger-Jury entscheidet der Quartiersrat mit über die Vergabe der Fördermittel, die jährlich aus dem Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt" für das Quartier Hellersdorfer Promenade zur Verfügung gestellt werden.
Das Gremium hat sich am 26.09.2006 für die Dauer eines Jahres konstituiert.
Gemeinsam wird der Quartiersrat künftig darüber beraten, in welchen Handlungsbereichen die Fördermittel im Quartier am dringendsten benötigt werden. Er wird – sozusagen als „Kompetenzteam“ - Ideen, Anregungen und Projektanträge genau unter die Lupe nehmen:
Ist Idee X dazu geeignet, zu einem realistischen und möglichst dauerhaft wirksamen Projekt ausgebaut zu werden?
Welche Aussichten für das Quartier birgt Anregung Y?
Kann Projektantrag Z für eine Förderung empfohlen werden oder muss er erst noch zur „Reife“ begleitet werden?
Zu gemeinsamen Entscheidungen finden
Keine leichte Aufgabe, die die frischgebackenen „Quartiersräte“ – übrigens in der knappen Mehrzahl Frauen – da übernommen haben. Ihre Empfehlungen müssen objektiv sein: da ist kein Platz für persönliche Interessen und Profilierungswünsche. Verschiedenste - manchmal auch durchaus kontrovers erscheinende - Interessengruppen im Quartier müssen berücksichtigt werden: Alte und Junge, Männer und Frauen, Familien und Singles, Menschen mit und ohne Behinderung, Erwerbslose und Beschäftigte, Mieter und Hauseigentümer. Die Liste ließe sich übrigens endlos fortsetzen.
Um ihrer Rolle als Jurygruppe gerecht werden zu können, bringen die Mitglieder des Quartiersrats eine Menge Kompetenzen mit. Viele haben bereits im Bewohnerarbeitskreis des Quartiers mitgewirkt, die meisten Akteure aus den lokalen Einrichtungen kennen einander ebenfalls. Das Quartier ist eben klein und Berlin sowieso ein Dorf. Umso erfreulicher muss angemerkt werden, dass der Quartiersrat jetzt auch einige „neue Gesichter“ umfasst.
Immer "richtig" wichten - geht das denn?
Stellt sich die Frage, ob eine Jury wie der Quartiersrat eigentlich „richtig“ oder „falsch“ entscheiden kann. Ein Gesetz, in dem steht, was für den Kietz zulässig ist und was verboten gehört, gibt es jedenfalls nicht. Damit die 17 stimmberechtigten Mandatsträger des Gremiums zu Ergebnissen gelangen, die für das Quartier angemessen sind, dürfen sie einfach nicht mit ihrer Verantwortung allein gelassen werden. Sie benötigen von allen Leuten Unterstützung, die hier leben, arbeiten oder wie auch immer mit dem Wohngebiet verbunden sind.
Gelegenheiten, die eigenen kleinen oder größeren „Verbesserungsvorschläge“ loszuwerden, bietet das Quartiersverfahren. Fördermittel sind auch da.
Also – auch wenn die Welt dadurch vielleicht nicht gänzlich umgekrempelt werden kann: Geben Sie dem Quartiersrat reichlich zu tun. Die haben es so gewollt!
27.09.2006
Text/Fotos: P. Strachovsky, Kiezmentorin
