Die Kiezreporter berichten:
Straßen und Plätze in Hellersdorf-Nord:
Völlig selbstverständlich benutzen wir Straßennamen - und wissen oft nicht, nach wem diese benannt sind. In unserer Rubrik stellen wir die Personen oder Städte zu Straßennamen im Stadtteil vor.
Kokoschkaplatz - Kokoschkastraße
Der Kokoschkaplatz befindet sich in "Helle Mitte" hinter der Agentur für Arbeit und dem Marktplatz-Center. Die Kokoschkastraße führt von der Quedlinburger Straße, rund um den Platz und bis zur Nelly-Sachs-Straße an der U-Bahn-Trasse.
Der österreichische Maler, Grafiker und Dichter Kokoschka hatte auch einen Vornamen - nämlich Oskar. (Warum die Straßenschilder ihn verschweigen, liegt im Dunklen... d. Red.)
Oskar Kokoschka wurde am 1. März 1886 in Pöchlarn (Niederösterreich) an der Donau geboren. Die Vorfahren seines Vaters stammten aus einer Prager Goldschmiedefamilie. 1887 zog die Familie nach Wien um. Oskar Kokoschka besuchte die k.k. Staatsrealschule im Wiener Gemeindebezirk Währing.
Aus dieser Zeit stammen seine frühesten noch erhaltenen Zeichnungen und Aquarelle. An der Kunstgewerbeschule lernte Kokoschka von 1905 bis 1909. Da seine frühen Arbeiten nicht geschätzt wurden, siedelte er für ein Jahr nach Berlin über. Mit Alma Mahler lebte er ab 1912 zusammen. 1914 wurde Oskar Kokoschka Mitglied der Freien Secession in Berlin. In diesem Jahr trennte er sich auch von Alma Mahler. Als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg wurde wurde er schwer verletzt. Nach seiner Genesung war er 1916 als Kriegsmaler an der Isonzofront tätig. Nach Dresden siedelte Kokoschka 1917 um.
Eine Professur an der Kunstakademie hatte er von 1919 bis 1926 inne, von der er ab 1924 freigestellt wurde. Nach dem Ausscheiden aus der Akademie unternahm er Reisen durch Europa, Nordafrika und das östliche Mittelmeer. Dadurch entstanden zahlreiche Städteporträts und Landschaftsbilder.
Nach Wien kehrte Kokoschka 1931 zurück. Er hatte Ausstellungen in Paris und Wien und pendelte für längere Zeit zwischen den beiden Orten. Seit 1933 wollte Kokoschka eigentlich für immer in Wien leben. Nach dem Tod seiner Mutter 1934 und der Entwicklung in Österreich und Deutschland flüchtete er nach Prag, wo er auch seine spätere Frau kennen lernte.
Der "Oskar Kokoschka Bund" wurde 1937 in Prag gegründet. Im Emigrantenheim "Stranice" wurden Ausstellungen und Künstlerfeste durchgeführt. Im Mai 1938 flüchtete Oskar Kokoschka nach der Verkündung der Mobilmachung in der Tschechoslowakei nach Großbritannien. Seine Werke wurden als entartete Kunst diffamiert. Es wurden 417 seiner Werke aus den Museen entfernt. Olda Palkovská heiratete er 1941 in einem Londoner Luftschutzkeller. Ab 1946 besaß er die britische Staatsbürgerschaft.
Nach dem zweiten Weltkrieg waren seine ersten großen Ausstellungen in Zürich und Basel. Seit 1975 ist er wieder Österreicher. Oskar Kokoschka gründete zusammen mit Friedrich Welz 1953 die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg als "Schule des Sehens". Im gleichen Jahr übersiedelte er nach Villeneuve am Genfer See. Er machte mehrere Reisen ins Ausland.
Retrospektiven seiner Werke waren unter anderem in Japan, Österreich und der Schweiz zu sehen. Er war auch Teilnehmer an der documenta. Oskar Kokoschka gewann 1966 den Wettbewerb für das Auftragsporträt Konrad Adenauers. Er starb am 22. Februar 1980 in Montreux. 1988 wurde eine Kokoschka-Stiftung gegründet, die seine Witwe Olda bis zu ihrem Tod verwaltet hat.
Text: K.-P. Griese
Quelle/Bilder: wikipedia.org; dhm.de; whoswho.de; KM
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