Quartiersmanagement Hellersdorfer Promenade

Rückblick: "Aus unserem Leben"

Vom 7. bis 21. Juni fand im MGH Buntes Haus eine biografische und interaktive Ausstellung statt. Sie bildete den Abschluss des ersten Durchgangs des Projekts "Erzählt und zugehört".


Bilder: Stiftung SPI

Normalerweise werden die Gäste des Mehrgenerationenhauses „Buntes Haus“ am Eingang von Bildern der Kinder begrüßt, die hier spielen oder Hausaufgaben machen. Im Juni war das anders: Da fiel der Blick als erstes auf bunte Collagen. Nicht Kinder, sondern Erwachsene hatten sie gestaltet: „Der Begriff ‚Mauerfall‘ erinnert an den Fall von Paris. Das war kein Mauerfall, sondern eine Grenzöffnung durch Grenzbeamte der DDR“ war da in bunten Buchstaben zu lesen, oder „Ich hatte große Angst.“

Die Collagen waren Teil der Ausstellung „Aus unserem Leben“, die vom 7. bis zum 21. Juni zu sehen war. 5 Personen aus Marzahn-Hellersdorf hatten sich im Rahmen des Projektes „Erzählt und Zugehört! Lebensgeschichten im Dialog“ ein halbes Jahr lang über ihre Lebensgeschichten ausgetauscht, hatten über Familie und Politik, über DDR und BRD, über Arbeit und Freizeit diskutiert und manchmal gestritten. Am Ende stand der Gedanke: Das müssen auch andere mitbekommen. Also wurden die spannendsten Zitate aus den Treffen in Ausstellungstücke verwandelt.
So war ein großer Baum zu sehen, der mit Blättern behängt war, beschriftet mit Begriffen, die wichtige Werte darstellen. „Solidarität“ stand auf einem, „Ehrlichkeit“ auf einem anderen. Und es wurden mit jedem Tag mehr Blätter, denn jeder Gast war aufgefordert, ein eigenes Blatt aufzuhängen.
Auch an anderen Stationen konnten die Gäste sich einbringen. An einer Wand hingen Zettel mit unvollständigen Sätzen. „Politik ist…“, „Religion ist…“, auch diese Wand wurde immer voller und immer vielseitiger.

Am deutlichsten wurde diese Vielfalt bei der Eröffnung. Hier konnten alle am Runden Tisch mitdiskutieren. Und es standen sich sehr diverse Meinungen der etwa 30 Gäste gegenüber.

Eine Besucherin beschrieb die Diskussion so: „Eine Frau aus der Oppositionsbewegung erzählte über ihre Erfahrungen mit den Wahlfälschungen und den Eingaben an Erich Honecker. … Ich erwartete Abwehr auf Seiten einiger Teilnehmer. Das Gegenteil passierte: Nach dreißig Jahren war ich zum ersten Mal Zeugin, dass sich Vertreterinnen der Opposition und Vertreter des Staates gegenüber sitzen, in die Augen schauen und zuhören.“

Damit ist eins der Ziele des Projektes erreicht: ein Austausch über die Vergangenheit, aber auch darüber, wie die Zukunft sich gestalten lässt.
Das Projekt „Erzählt und Zugehört! Lebensgeschichten im Dialog“ geht in die zweite Runde!

Wann: vom 7. August bis zum 18. Dezember 2019, jeweils 16 bis 19 Uhr
Wo: Mark-Twain-Bibliothek, Marzahner Promenade 55.

Melden Sie sich gern bei Claire Horst und Aylin Karadeniz, E-Mail: zugehoert@stiftung-spi.de, Telefon: 030/41 72 56 28