Quartiersmanagement Hellersdorfer Promenade

Interview mit Quartiersrat Benjamin Kramer

Im Quartier Hellersdorfer Promenade finden in diesem Jahr wieder Wahlen zum Quartiersrat statt. Über diese Tätigkeit spricht der amtierende Quartiersrat Benjamin Kramer.


Bild: Benjamin Kramer

Benjamin, du bist Quartiersrat im Quartier Hellersdorfer Promenade. Was macht man da?

 

Als Quartiersrat beschäftigen wir uns mit allem, was für das Quartier wichtig ist. Wir begleiten die Arbeit des Quartiersmanagements mit den verschiedenen Projekten, die die Lebenssituation der Menschen verbessern und das Quartier verschönern. Für die Projekte wird teilweise viel Geld ausgegeben – aus dem Förderprogramm Sozialer Zusammenhalt. Die Konzepte für diese Projekte schauen wir uns gemeinsam an und diskutieren darüber. Wir sind aber auch kritisch und sagen, wo im Quartier der Schuh drückt. Das ist eine Grundlage für weitere, zukünftige Projekte.

 

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

 

Ich selbst komme aus dem Bereich der offenen Jugendarbeit und bin im Bezirk beruflich tätig. Leider erlebe ich oft, dass Jugendliche und junge Erwachsene bei politischen Diskussionen unter den Tisch fallen. Es geht oft nur um kleine Kinder und ältere Menschen. Dabei brauchen gerade Jugendliche und junge Erwachsene, Auszubildende und Studierende spezielle Hilfen und Angebote. Mir ist daher wichtig, dass Projekte für sie durchgeführt werden.

 

Ganz besonders gilt das momentan unter Corona. In den Bereichen Bildung und Ausbildung fällt momentan vieles aus oder kann nicht wie gewohnt stattfinden. An dieser Stelle sind ich und meine Frau aktiv, indem wir die Gruppe „clean up MaHe“ ins Leben gerufen haben (siehe auf Instagram). Wir nehmen hier Jugendliche und andere Interessierte auf unseren Touren durch den Bezirk mit, um Müll zu beseitigen und aufzuräumen. Die Wertschätzung, die uns entgegenkommt, ist enorm. Da ist zum Beispiel eine ältere Dame, die uns spontan einen 5 Euro Schein für einen Blumenstrauß zusteckt. Der Präsident und die Geschäftsführerin vom DRK-Kreisverband Berlin-Nordost haben uns 50 Faceshilds und einen Erste-Hilfe-Kasten überreicht. Und um zum Quartiersrat zurückzukommen: Der Quartiersrat unterstützt uns bei der Beschaffung von Greifzangen, Müllsäcken, Desinfektionshandschuhen und allem, was wir für unsere Einsätze brauchen. Das fand sofort Zustimmung bei allen.

 

Gibt es im Quartiersrat bei manchen Dingen auch Streitpunkte?

 

Richtige Streitpunkte gibt es eigentlich nicht. Man darf nicht vergessen: Die Projekte werden meistens von den Einrichtungen vor Ort durchgeführt. Sie kennen die Bedarfe der Menschen sehr genau und haben sich – unterstützt vom Quartiersmanagement – viele Gedanken zu den geplanten Projekten gemacht. Wenn wir im Quartiersrat Anregungen einbringen, sind das meistens Aspekte, die in den Projekten bisher nicht so konkret mitgedacht wurden. Wir leben in einer Zeit, in der das Thema Klimaschutz so wichtig ist wie nie zuvor. Bei manchen Projekten kann man daher fragen: Ist es wirklich wichtig, dass alles ausgedruckt und per Post verschickt wird? Gleichzeitig ist das eine Frage dahin, wie digitale Möglichkeiten genutzt werden und wie digitales Lernen ermöglicht wird. 

 

Finden die Sitzungen momentan digital statt? 

 

Genau. Die Sitzungen finden bis auf Weiteres jeden Monat digital statt. So wird man dem Hygiene- und Infektionsschutz am besten gerecht. Unter dem Aspekt von Teilhabe ist wichtig, dass niemand von den Sitzungen ausgeschlossen wird. Wir haben einen größeren Anteil an älteren Mitgliedern im Quartiersrat, was nichts heißen will. Für diejenigen, die nicht über digitale Technik verfügen oder Hilfe benötigen, wird Unterstützung veranlasst. Beispielsweise nimmt eine Dame an den digitalen Sitzungen des Quartiersrats über einen Computer im Mehrgenerationenhaus Buntes Haus teil.

 

Kannst du anderen empfehlen, als Quartiersrat zu kandidieren (und im besten Fall gewählt zu werden)?

 

Auf jeden Fall. Ich zum Beispiel bin ein Bewohner im Quartier, der ursprünglich vom Dorf kommt. Im Quartiersrat lernt man andere Menschen kennen, man ist unter Leuten und man erfährt vieles über Einrichtungen und Projekte im Quartier. Außerdem lernt man politische Argumentations- und Diskussionsprozesse kennen, auch wenn wir im Quartiersrat keine Parteipolitik betreiben. Das ist eigentlich das Beste, was man machen kann.

 

Ist zu den Sitzungen Vorbereitung notwendig?

 

Es ist ein niedrigschwelliges Angebot, wie wir in der Fachsprache der Jugendarbeit sagen. Es ist schön, wenn sich die Mitglieder auf die Sitzungen vorbereiten. Ist das mal nicht möglich, kann man aber trotzdem daran teilnehmen und mitdiskutieren. Unser aktueller Sprecher des Quartiersrats, Heinz Kurzidim, bereitet sich immer umfassend auf die Themen vor und kann viele Fragen stellen.

 

Welche Wünsche hast du für die Zukunft des Quartiers und für die weitere Arbeit im Quartiersrat?

 

Das Quartier Hellersdorfer Promenade hat Potenzial. Ich wünsche mir, dass dieses genutzt wird und viel daraus wachsen kann. Eine gute und generationenübergreifende Durchmischung ist überall wichtig: Jung kann vieles von Alt lernen und Alt kann vieles von Jung lernen. Für den Quartiersrat wünsche ich mir, dass wir noch stärker auf jüngere Menschen zugehen und an sie das Signal senden: „Hey, wir sind da, wenn du dich engagieren willst“. Meiner Meinung nach braucht es dazu eine noch stärkere und zeitgemäße Ansprache über digitale Kanäle. 

 

Vielen Dank für das Interview.