Quartiersmanagement Hellersdorfer Promenade

Kultur, die sich sehen und hören lassen kann

„HellD – Festival für Kultur am Stadtrand“ lautete der Titel einer Veranstaltung, die am Samstag, 22. August, im Bürgergarten Helle Oase die lokale Kultur mit einem Nachbarschaftsfest in den Mittelpunkt stellte.


Text / Fotos: Kiezredakteur

„Die Veranstaltung ist ein Beweis für das, was wir uns seit Jahren wünschen. Wir freuen uns, wenn Menschen mit Konzepten für tolle Veranstaltungen auf uns zukommen“, äußerte Anna Juhnke von KIDS & CO, Träger des Bürgergartens Helle Oase, bei der Begrüßung zusammen mit Dariya Kryshen vom Projektträger Kollegen 2,3 Bureau für kulturelle Angelegenheiten.

 

Mit einer Darbietung auf dem Akkordeon machte Harald Kästner den Auftakt für ein abwechslungsreiches und vielfältiges Konzertprogramm. Bei Evergreens wie dem Radetzkymarsch und „Mein kleiner grüner Kaktus“ klatschte das Publikum begeistert mit. Bis in den späten Abend folgten weitere Auftritte von Jakob Dobers und Band, dem Chor der Statistik, RAS, Friedel und Odd Couple. Selbst ein kurzer Regenguss konnte der ausgelassenen musikalischen Stimmung von Künstler*innen und Publikum keinen Abbruch tun.

 

In einer Talkrunde diskutierten Jochen Becker und Adam Page von der Projektgruppe station urbaner Kulturen bei der neuen Gesellschaft für bildende Kunst über die Rahmenbedingungen künstlerischen Schaffens in einer Großwohnsiedlung wie Hellersdorf. Kunst und Kultur treffen hier auf Umstände, die besondere Unterstützung und Zugänge gemeinsam mit den hier lebenden Menschen erfordern. Dass die künstlerische Szene vielfältig ist, belegen Kunst am Bau und im öffentlichen Raum, ebenso aktuelle künstlerische Formate und Projekte.

 

Im Rahmen verschiedener Workshops und an aufgebauten Ständen hatten Kinder beim „HellD“-Festival die Möglichkeit, sich künstlerisch auszuprobieren. So erschufen sie unter anderem Linol- und Siebdrucke auf verschiedenen Textilien, wurden kleine Musikinstrumente gebaut und Samenbomben – „Seedbombs“ – zum Einpflanzen zusammengestellt. Für das Projekt Hellersdorfer Gesichter portraitierte der Maler Jihad Issa auch an diesem Nachmittag Menschen, die hier leben und arbeiten.

 

Für Stärkung zwischendurch sorgte das Kollektiv Kalte Butter mit Brotaufstrichen fermentierter Lebensmittel. Das wichtige Thema Nachhaltigkeit stand auch beim Standangebot von „Habibiship“ im Mittelpunkt: Nach dem Konzept des Upcyclings wurden hier aus nicht mehr benötigten Materialien Jonglagegegenstände hergestellt, die zur körperlichen Betätigung geradezu einluden.

 

Auf großes Interesse stießen zudem eine historische Führung und ein Kreativrundgang durch Hellersdorf, daneben las der Literat Sven Rauchhaus Auszüge aus seinem Hellersdorf-Krimi „Auf Sand gebaut“ vor. In einem „Soundwalk“ mit Kathrin Wildner, Vertretungsprofessorin für Kulturtheorie und kulturelle Praxis an der HafenCity Universität Hamburg, verließen sich die Teilnehmer*innen ganz auf ihr Sinnesorgan des Gehörs. Sie erfuhren auf diese Weise, welch vielfältigen Faktoren und Einflüsse einen städtischen Raum prägen – viele davon werden im Alltag oft nicht bewusst wahrgenommen.

 

An den kulturellen Darbietungen, den Workshops und dem Rahmenprogramm waren verschiedene Künstler*innen und Partner*innen aus dem Quartier und darüber hinaus beteiligt. Die Veranstaltung war Hauptbestandteil des Projekts „Mehr Kultur für das Quartier– das HellD-Festival“, das in den Jahren 2019 und 2020 über das Programm „Sozialer Zusammenhalt“ gefördert wird. Eine Kofinanzierung erfolgte über die Sonderausschreibung von Musicboard Berlin und der Initiative „Draußen spielt die Musik“ der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, um durch innovative Handlungsansätze auch unter aktuellen musikkulturellen Herausforderungen Popmusik live stattfinden zu lassen.