Quartiersmanagement Hellersdorfer Promenade

„Mit oder auf der Ledercouch“: Hellersdorfer Kulturexpedition #3

Im Rahmen des Projekts „Mehr Kultur für das Quartier“ fand am Donnerstag, den 4. Juni, die dritte Hellersdorfer Kulturexpedition statt – dieses Mal als digitales Angebot konzipiert.


Text / Bilder: Kiezredakteur

Besondere Situationen erfordern besondere Antworten: Im Quartier Hellersdorfer Promenade war schnell klar, dass man auch in Zeiten von Coronaverordnung und Kontaktbeschränkungen nicht auf eine geballte Ladung an Kultur verzichten wollte. Zusammen mit dem Projektträger Kollegen 2,3 Bureau für kulturelle Angelegenheiten wurde daher rasch die Idee geboren, die dritte Kulturexpedition am 4. Juni als Online-Livestream stattfinden zu lassen.

 

Um kurz nach 17 Uhr begann die Liveschaltung über die Facebookseite des Quartiersmanagements. Damit befand sich die im höheren zweistelligen Bereich angesiedelte Zahl an Zuschauer*innen direkt am ersten Ort des Geschehens – dem Gebäude, das sich in westlicher Richtung vom U-Bahnhof Hellersdorf im Regine-Hildebrandt-Park befindet. Nach dem Ende der Weltausstellung EXPO 2000 wurde dieses Haus auf Stelzen von Hannover nach Hellersdorf umgesiedelt und zunächst als Bürger*innenzentrum genutzt – mit einer tollen Aussicht vom ringsum umgebenden Balkon. Diese „Tribüne“ ließ sich das Jodelduo „Esels Alptraum“ nicht entgehen. „Neue Jodellieder braucht das Land“, lautete das Motto dieser ersten musikalischen Darbietung im Rahmen der dritten Kulturexpedition.

 

Passanten blieben stehen und zückten ihre Handys für eigene Videoaufnahmen, als die Künstlerinnen Elena und Gaya keinen Zweifel daran ließen, dass Jodeln auch in nördlichen Gefilden praktiziert werden kann und Anklang findet.

 

Vom Balkon ging es ins Innere des architektonisch besonderen Gebäudes – hier erwartete das medienpädagogische Team vom Lernzentrum Helliwood des fjs e.V. die Delegation der dritten Kulturexpedition. Livestream-Übertragungen ist man im Helliwood gewohnt – in aktuellen Zeiten finden solche bis zu dreimal täglich statt. Zu diesem Zweck wurde sogar extra ein Studio eingerichtet. Im Rahmen der vor allem an Schulklassen gerichteten Angebote werden Kinder und Jugendliche für einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien sensibilisiert und produzieren selbst mediale Angebote. Daneben bietet Helliwood in der „Teachers Academy“ Schulungsangebote für pädagogische Fachkräfte an.

 

Viel Wissensinput stand auch auf dem Programm, als es auf dem Weg im Anschluss interessante Hintergrundinformationen zu Alice Salomon, Regine Hildebrandt und weitere namensgebende Persönlichkeiten aus Hellersdorf zu erfahren gab. „Ich setz mich auf meine Ledercouch, 15 Meter Ledercouch, 20 Meter Ledercouch…“: Für die Kinder, die sich mittlerweile an den Tross der Kulturexpedition angeschlossen hatten, war es ein sichtlich großer Spaß, als der Schlängerich „Andi Arbeit“ des Puppentheaters von Klaus Gruber seinen „Corona-Quarantäne-Hit“ zum Besten gab und zum Mitsingen des Refrains animierte. Seit mehreren Jahren gastiert das Puppenmusiktheater an verschiedenen Orten, seine Lieder schreibt Klaus Gruber selbst. Auch das „erste bekennende melankomische Krokodil“ mit dem Namen „Kommaklaus“ durfte beim Bühnenauftritt in Hellersdorf nicht fehlen.

 

Mitgerissene Live-Zuschauer*innen und Livestream-Gäste begaben sich anschließend auf den Weg zur letzten Darbietung am hinteren Eingang zum Hellersdorfer Marktplatz Center, am Kokoschka-Platz. Von einer einstigen Brache mit Trampelpfaden hat sich der Kokoschka-Platz zu einem kleinen Quartiersplatz entwickelt. Aufgrund gestiegener Studierendenzahlen wird an dieser Stelle ab Frühjahr 2021 ein Erweiterungsbau für die Alice-Salomon-Hochschule gebaut. Am Tag der dritten Kulturexpedition erfreute hier das Duo von Ghaith und Hakam mit musikalischen Genüssen auf Oud und Trommeln das Publikum.

 

Bis zum Schluss waren viele Zuschauer*innen dem Livestream treu geblieben. Auch wenn die nächste Kulturexpedition wieder vor Ort stattfinden soll, wurde klar, dass sich mit digitalen Angeboten viel weiteres Potenzial heben lässt: Während der Zeit der gut zweistündigen Veranstaltung wurde die Liveübertragung über 750 mal aufgerufen, außerdem gab es auf der Facebookseite des Quartiersmanagements sehr beipflichtende Kommentare.